Viele Menschen verteilen ihr Geld auf mehrere Banken und nennen das Diversifikation. Das reduziert ein einzelnes Bankrisiko. Es ändert aber nichts daran, dass Konten, Verträge und Meldewege oft am selben Rechtssystem hängen.

Die belastbare Kurzfassung

Liechtenstein ist EWR-Mitglied, kein EU-Mitglied und nutzt den Schweizer Franken. Banken und Finanzdienstleister werden von der FMA Liechtenstein beaufsichtigt. Für deutsche Steuerpflichtige ist der Standort legal, aber nicht anonym: Finanzinstitute melden relevante Kontodaten im Rahmen des automatischen Informationsaustauschs.

Was ändert ein zweiter Rechtsraum?

Ein anderes Land ist kein Zaubertrick. Es ändert aber den juristischen Anknüpfungspunkt. Vertragspartner, Aufsicht, Sicherungssystem, Währung und Verfahrensrecht können sich von einer deutschen Lösung unterscheiden.

01

Recht

Der Vertrag unterliegt nicht automatisch deutschem Recht, nur weil der Kunde in Deutschland lebt.

02

Währung

Der Schweizer Franken kann eine echte Währungsstreuung ermöglichen, wenn Produkt und Konto sie tatsächlich nutzen.

03

Aufsicht

Banken, Versicherer und Vermögensverwalter werden in Liechtenstein durch die FMA beaufsichtigt.

Liechtenstein übernimmt als EWR-Mitglied viel europäisches Finanzmarktrecht. Der Standort ist deshalb nicht rechtsfrei und auch kein Gegenmodell ohne Regeln. Gerade diese Kombination ist interessant: Zugang zum europäischen Binnenmarkt, aber keine EU-Mitgliedschaft. Wie außergewöhnlich die Staatsfinanzen im internationalen Vergleich sind, ordnet unser Beitrag über Staaten mit praktisch 0 Staatsschulden ein.

Konto, Depot oder Vertrag: Das ist nicht dasselbe

Die Frage „Wie lege ich Geld in Liechtenstein an?“ ist zu ungenau. Ein Kontoguthaben ist eine Forderung gegen eine Bank. Wertpapiere im Depot haben eine andere Eigentums- und Verwahrstruktur. Eine Police oder ein Verwahrvertrag schafft wieder andere Rechte und Kosten. Den vollständigen Überblick bündelt unser großer Liechtenstein-Ratgeber.

FormDie entscheidende Frage
BankkontoWelche Bank, Währung, Kosten und Einlagensicherung?
WertpapierdepotWer verwahrt, wem gehören die Titel und welches Produkt liegt darin?
VersicherungslösungWer ist Versicherer, wie ist das Vermögen gebunden und welche Kosten entstehen?
Physische VerwahrungIst konkretes Eigentum zugeordnet, versichert und auslieferbar?

Wie funktioniert die Einlagensicherung?

Die Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungs-Stiftung Liechtenstein nennt für gedeckte Einlagen maximal CHF 100.000 pro Person und Bank, unabhängig von der Zahl der Konten. In bestimmten vorübergehenden Fällen kann eine höhere Deckung gelten. Das ist eine Sicherungsgrenze, kein Gütesiegel für jede Bank und kein Ersatz für die Prüfung der konkreten Lizenz.

Wer deutlich mehr Liquidität halten möchte, sollte deshalb nicht nur die Zahl der Konten zählen. Banklizenz, wirtschaftliche Einheit, Währung und Rechtsnatur der Forderung gehören mit auf den Tisch.

Liechtenstein ist kein Steuerversteck

Liechtensteinische Finanzinstitute melden nach dem Common Reporting Standard relevante Daten an die Steuerverwaltung. Diese leitet Informationen an die zuständigen ausländischen Steuerbehörden weiter. Ein deutsches Steuerverhältnis verschwindet nicht durch eine Adresse in Vaduz.

Das ist kein Nachteil einer legalen Struktur. Vermögensschutz braucht keine Heimlichkeit. Er braucht Eigentum, Dokumentation und einen Vertrag, der auch dann verständlich ist, wenn es ungemütlich wird.

5 Fragen vor jeder Liechtenstein-Lösung

  1. Welche konkrete Aufgabe soll der Baustein erfüllen?
  2. Welches Unternehmen ist mein Vertragspartner und wer beaufsichtigt es?
  3. Besitze ich einen Vermögenswert oder nur eine Forderung?
  4. Welche Kosten entstehen einmalig, laufend und bei einer Beendigung?
  5. Welche Steuer-, Melde- und Dokumentationspflichten bleiben in Deutschland?

Welche Aufgabe ein zusätzliches Konto in Ihrer Vermögensstruktur übernehmen kann, erläutert unsere Seite zum Auslandskonto. Physische Metalle mit Verwahrung behandeln wir beim Sicherlager. Beide Lösungen haben eine andere Aufgabe.

Quellen

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine individuelle Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung. Produkt, Vertragspartner und persönliche Steuerlage müssen im Einzelfall geprüft werden.