Der alte LOCOS-Beitrag nannte die Berufsunfähigkeitsversicherung pauschal eine der wichtigsten Versicherungen und stellte die gesetzliche Absicherung fast vollständig als wertlos dar. Der Kern stimmt: Der Verlust der Arbeitskraft kann existenziell sein. Trotzdem muss man private Berufsunfähigkeit und gesetzliche Erwerbsminderung sauber auseinanderhalten – und einen Vertrag nicht nur nach Beitrag oder Werbeversprechen auswählen.

Die kurze Antwort

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist sinnvoll, wenn Ihr Lebensunterhalt wesentlich von Ihrem Arbeitseinkommen abhängt und Sie eine längere Einkommenslücke nicht aus eigenem Vermögen tragen können. Entscheidend sind eine ausreichende Rente bis zum Ruhestand, klare Bedingungen und vollständig beantwortete Gesundheitsfragen.

Berufsunfähigkeit ist nicht Erwerbsminderung

Die beiden Begriffe klingen ähnlich, prüfen aber etwas anderes. § 172 VVG knüpft die private Berufsunfähigkeit an den zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung konkret ausgestaltet war. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente fragt dagegen nach der verbliebenen Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.

Private BUGesetzliche Erwerbsminderung
MaßstabZuletzt ausgeübter Beruf und VertragsbedingungenArbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
LeistungsschwelleTarifabhängig, häufig mindestens 50% für voraussichtlich 6 MonateVoll: unter 3 Stunden; teilweise: 3 bis unter 6 Stunden täglich
VoraussetzungVersicherter Vertrag und anerkannter LeistungsfallZusätzlich versicherungsrechtliche Warte- und Beitragszeiten
HöheVereinbarte MonatsrenteAus dem Rentenverlauf berechnet

Wer den eigenen Beruf nicht mehr ausüben kann, ist also nicht automatisch voll erwerbsgemindert. Genau diese Lücke soll eine private BU schließen.

Wie hoch sollte die BU-Rente sein?

Die bekannte Faustregel „75% oder 80% vom Netto“ ist nur ein Startpunkt. Rechnen Sie die Ausgaben, die auch ohne Arbeitseinkommen weiterlaufen:

  • Wohnen, Lebenshaltung und Unterhalt
  • Kranken- und Pflegeversicherung
  • Kreditraten und andere feste Verpflichtungen
  • weitere Altersvorsorge, weil bei geringerem Einkommen auch dort eine Lücke entsteht
  • Steuern oder Abgaben, die auf die konkrete Leistung anfallen können

Ziehen Sie verlässliche andere Einkünfte und eine bewusst einsetzbare Reserve ab. Das Ergebnis ist die benötigte Monatsrente. Eine schöne runde Zahl, die Ihre festen Kosten nicht trägt, ist kein Einkommensschutz.

Eine Police ist nur so gut wie die Lücke, die sie tatsächlich schließt.

Schildern Sie Ihre Ausgangslage und Ihre Fragen zu Ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung. Das LOCOS-Team bespricht mit Ihnen die nächsten Schritte; Unterlagen brauchen Sie für das Kennenlernen noch nicht.

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10 Punkte, die vor dem Abschluss auf den Tisch gehören

01

Konkreter Beruf

Geprüft werden sollte die Tätigkeit, die Sie zuletzt tatsächlich ausgeübt haben – nicht nur eine grobe Berufsbezeichnung.

02

50%-Schwelle und Prognose

Wie stark und wie lange muss die Tätigkeit eingeschränkt sein? Gute Bedingungen machen daraus eine nachvollziehbare Prüfung.

03

Keine abstrakte Verweisung

Der Versicherer sollte Sie nicht allein deshalb ablehnen dürfen, weil Sie theoretisch irgendeinen anderen passenden Beruf ausüben könnten.

04

Laufzeit bis zum Ruhestand

Ein Ende mit 60 oder 62 spart Beitrag, lässt aber genau in den späteren Berufsjahren eine teure Lücke.

05

Leistungsdynamik

Eine laufende BU-Rente verliert über Jahre Kaufkraft. Prüfen Sie, ob und wie sie nach Eintritt des Leistungsfalls steigt.

06

Beitragsdynamik

Regelmäßige Erhöhungen können die versicherte Rente vor dem Leistungsfall an Einkommen und Inflation anpassen.

07

Nachversicherung

Heirat, Kind, Gehaltssprung oder Immobilienkauf sollten eine Erhöhung ohne neue Gesundheitsprüfung ermöglichen.

08

Rückwirkende Leistung

Wird die dauerhafte Einschränkung erst später festgestellt, sollte klar sein, ab wann die Rente nachgezahlt wird.

09

Weltweiter Schutz

Wer im Ausland lebt oder arbeitet, braucht Bedingungen, die Untersuchung und Leistung praktikabel regeln.

10

Besondere Berufsregeln

Für Selbstständige, Beamte, Schüler oder Tätigkeiten mit körperlichen Anteilen gelten zusätzliche Fragen, etwa Umorganisation oder Dienstunfähigkeit.

Gesundheitsfragen: Hier entscheidet sich der Vertrag oft schon

Nach § 19 VVG müssen Sie die bekannten gefahrerheblichen Umstände angeben, nach denen der Versicherer in Textform fragt. „Wird schon nicht wichtig sein“ ist bei Diagnosen, Behandlungen, Medikamenten, Psychotherapie oder Beschwerden keine belastbare Strategie.

  1. Fordern Sie vor dem Antrag die Patientenakten und Abrechnungsdaten der relevanten Ärzte und Krankenkasse an.
  2. Vergleichen Sie die Einträge mit den exakten Fragezeiträumen des Versicherers.
  3. Klären Sie unklare oder falsche Diagnosen mit der dokumentierenden Praxis.
  4. Prüfen Sie bei Vorerkrankungen eine anonyme Risikovoranfrage, bevor mehrere namentliche Anträge gestellt werden.
  5. Dokumentieren Sie Fragen, Antworten und eingereichte Unterlagen dauerhaft.

Eine unvollständige Antwort kann je nach Verschulden Rücktritt, Kündigung oder rückwirkend geänderte Bedingungen auslösen. Die Lösung ist nicht, weniger zu sagen, sondern die Akte vor dem Antrag zu kennen.

Was, wenn eine BU zu teuer oder nicht erhältlich ist?

Eine Grundfähigkeits-, Erwerbsunfähigkeits-, Dread-Disease- oder Unfallversicherung kann bestimmte Risiken abdecken. Sie ist aber nicht automatisch gleichwertig. Eine Grundfähigkeitsversicherung zahlt beispielsweise bei vertraglich definiertem Verlust einzelner Fähigkeiten – nicht allein deshalb, weil Sie Ihren konkreten Beruf nicht mehr ausüben können. Psychische Erkrankungen sind häufig nur eingeschränkt oder gar nicht erfasst.

Deshalb zuerst mehrere BU-Möglichkeiten und eine anonyme Voranfrage prüfen. Erst danach lässt sich beurteilen, welche Restlücke eine Alternative wirklich schließen kann.

7 Fragen an einen bestehenden Vertrag

  1. Wie hoch ist die heute versicherte Monatsrente – und reicht sie für Ihre heutigen Fixkosten?
  2. Bis zu welchem Alter läuft die Leistung?
  3. Wie definiert der Vertrag Berufsunfähigkeit und Verweisung?
  4. Ist eine Leistungsdynamik vereinbart?
  5. Welche Nachversicherungsmöglichkeiten sind noch offen?
  6. Haben Beruf, Einkommen, Familie oder Finanzierung sich seit Abschluss verändert?
  7. Liegt eine vollständige Kopie des ursprünglichen Antrags mit Gesundheitsangaben vor?

Kündigen Sie einen alten Vertrag nicht, bevor ein neuer Schutz verbindlich angenommen wurde und sämtliche Bedingungen verglichen sind. Alter, Gesundheitszustand und frühere Tarifbedingungen lassen sich später nicht zurückholen.

Häufige Fragen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Wann zahlt eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Das regeln die konkreten Bedingungen. Häufig gilt: mindestens 50% Einschränkung im zuletzt ausgeübten Beruf für voraussichtlich mindestens 6 Monate. Abweichungen und zusätzliche Nachweise sind möglich.

Wie hoch sollte die Berufsunfähigkeitsrente sein?

Sie sollte die fortlaufenden Ausgaben, Krankenversicherung und weitere Altersvorsorge abdecken. 80% des Nettoeinkommens können als Startwert dienen; entscheidend ist Ihre tatsächliche monatliche Lücke.

Ist eine BU auch für Schüler oder Studierende sinnvoll?

Ein früher Abschluss kann wegen Gesundheit und Berufsgruppe Vorteile haben. Entscheidend ist, wie der Tarif die heutige Tätigkeit definiert und welche Erhöhungen später ohne neue Gesundheitsprüfung möglich sind.

Kann ich bei Vorerkrankungen eine BU bekommen?

Das hängt von Diagnose, Behandlung, Zeitraum, Beruf und Versicherer ab. Die Reaktionen reichen von normaler Annahme über Zuschlag oder Ausschluss bis zur Ablehnung. Eine anonyme Risikovoranfrage kann Angebote vergleichen, ohne sofort mehrere namentliche Anträge zu stellen.

Quellen und Rechtsstand

Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine individuelle Versicherungs-, Rechts- oder Steuerberatung. Ob ein Tarif passt, hängt von Beruf, Gesundheit, Einkommen, bestehender Absicherung und den vollständigen Versicherungsbedingungen ab.